Roger Maneth & Sandra Keller in Afrika

Reisebericht vom 2.11.1997, von Richi erhalten
Etappe 1.10.1997 - 2.11.1997

Jetzt aber ein bisschen wie es uns bis jetzt ergangen ist. Am 1.10.97 sid wir denn endlich abgefahren aus Zürich. Die Route ist von Kloten nach Basel in den Jura auf Brassue gegangen. In Brassze haben wir den Bruder von einem Bekannten aus Südafrika besucht. Der hat 1972 Afrika vom Süden nach Norden mit dem Pferd, Kanu, Velo und Kamel durchreist, bis er sich in der Sahara verlaufen oder verritten hat und fast verdurstet wäre. Irgendwelche Nomaden haben ihm das Leben grettet. Der Bekannte, sein Name isch Roger Correron, weiss einen Haufen Stories über Afrika zu erhählen und hat uns noch einige Tips gegeben.

Der ganze Trip hat doch schon 4 Tag beasprucht. Am 4.10 fuhren wir dann über die Grenze nach Frankreich. Am Zoll, es kann nicht anders sein, meint der Zöllner "Je veux faire une petite controlle". Siehe da, der findet mehr als 20 Liter Benzin in unserem Reservekanister. (In Frankreich ist das Benzin ungefähr 1,5 x so teuer wie in der Schweiz, darum haben wir alles gefüllt.) Nachdem er denn abgeklärt hat wieviel Zoll wir bezahlen müssen und wir ihm die Ohren vollgesültzt habe wie weit wir noch fahren müssen mit dem Benzin hat er uns einfach passieren lassen.

In Frankreich simmer vo Belley up Voiron, Annonay, Rodez, Albi, Toulouse, Auch. I dr nöchi vo Auch hämmer dänn es jungs Uswandererpäärli us dr Schwiiz bsuecht. S'Lotti und de Marc us Luzär händ e sehr, sehr chlini Farm kauft, miteneme sehr, sehr baufällige Hüttli druf. Sie läbed jetzt döt und gnüsseds wies chunt. Vorher sind's es Jahr in Südamerika bi de Indianer gsi. Zwei Tag bliebed mir bi ihne, bevor's witergaht richtig Andorra.

Andorra isch es Land womer wenig hört drüber. Mer weiss, die Lüt wo döt woned zahled kei Stüre und die wo i dr Schwiiz betribe werded haued uf Andorra ab. (Erfahrig us de 10 Monat Gschäftsführig Schibli). Ich chan das Bergland nöd umbedingt empfehle. En absolute Touritreff! Alles was sich im Erdgschoss vo de Gebäude befindet sind Schnäpps, nüt als Schnäpps. Mir profitiered vom zollfreie Benzin. Es chostet 1.- sFr / lt.

Dän chömed mir uf Spanie. A dr Grenze vo Andorra uf Spanie gits zerscht mole es asto. D'Spaniögel wänds schinbar wüsse. Es isch au keis Wunder, denn usserd zwei Schwizer imene blaue VW Bus, wänd nur Spanier über de Zoll, wo günstig sind go ichaufe. De Zöllner gseht s'grosse Auto und de Aschiss ischem is Gsicht gschribe. Nacheme Rundblick wöt er wüsse ob mer Zigarette kauft heget. Natürlich hämmer, aber nur ei Stange. So lot au de Zöllner üs unbeschaded zieh.

Mir fahred richtig Uerda uf Vinaroz, Benicarló as Meer abe. Uf em Wäg dört abe fangemer doch tatsächlich no en Platte i. Zum Glück hmer's Reserverad nöd dehei vergässe. Mir braused dänn de Küste no Südwärts Richtig Beuja. Das Kaff isch es paar km nördlich vo Benidorm. Uf em Weg döt abe gits no meh Panne. Emole wömmer am Morge, nocheme gedigene Zmorge am Strand wiiter. 3km nochem abfahre stockt de Bus, bis zum Stillstand.

Soeben habe wir.... Ich meine jetzt simmer grad mit em Znache fertigworde, wos nebedra Hupet. Ich säge zur Sandra scho, rue jetzt susch brünzlich euch is Kokpit. Ups, das isch jo d'Polizei. Die sind aber, wie stets in Marokko, sehr fründlich. Sie fröget eus öb mir do am Strand wänd stoblibe oder lieber uf de Parkplatz nebe dem Restaurant weted. Dänn wünscheds eus no e schöni Ziit.

Bim Stillstand bin ich stoblibe. Miteme Handbuech "Jetz helf ich mir selbst" (uf de VW Bus bezoge) (weil mir isch eh nüme zhelfe) hämer de Schluss zoge, natürlich nach allne erforderliche Tests, dass d'Benzinpumpi muess im Arsch sie. Mir händ üs vomene ältere Französische Pärli mitem Wohnmobil zum Strand zruggschleppt. Vorher hämer aber im Dorf wome stönd, miteme Garagist abklärt, dass es öppe bis am nächste Mittwoch giengi bis die neu Pumpi vo Barcelona uf Alicante und vo Alicante zu eus per Post chunt. Hüt, d.h. Zeit resp. Datum des Defektes war en Friitig, 10.10.97. Am Sunntig isch denn en andere Franzos cho und hät welle de Motor aluege. Mittlerwile händ eh alli im Dorf gwüsst, was mit eus isch und wer eus z'erscht ghullfe hät. Dä "zweiti" Franzos, mitem Name Rene hät öppis verstande vo Motore, und erstens usegfunde, dass doch no eis Zündkabel am Zündverteiler falsch igsteckt gsi isch (Roger schäm dich!) Zweitens hät er gmeint, dass es öd a dr Pumpi ligi, weil nachem richtigstelle vo dr Zündig isch's Auto wider gloffe. Sondern, de Wage hebi gstockt bis zum Stillstand, veil mit Dreck im Tank hebed, wo sich bi fast leerem Tank am Abfluss festsugi, und de Motor desshalb kei Spritt me überchämi. Und siehe da, nachem richte lauft doch die Karre wieder wie es Drehörgeli. Eso chömed mer bis uf Benisa, wo d'Marion und de Giovanni, d'Christa und de Sepp grad Ferie mached. Mir gönd die vier für zwei Tag go Bsueche. Nachdemmer bi dene abfahred, lerneme no en dütsche Pole mit sinere Frau und Tochter kenne. Döt gebis au no e Stori, wo aber de Rahme scho sprenge wür. Uf alli fäll blibemer bi dene au no en Tag.

Denn gats wieter uf Alicante , Cartagena, Almeria, Motril bis uf Grandada. Grandada chame witerempfehle. Döt genehmiget mir eus au i dr erste Nachte es türs Hotel und gnüssed es Bad innere richtige Badwanne, sowie es richtigs WC zum sch....

Nach Granada wider uf dem Asphalt uf Antequera, Maluja und de Küste no uf Gibraltar. Wemmer vo Gibraltar, was jo bekanntlich no de Brite kört uf Spanie zrugg will, muess mer scho es Stündli iiplane. Ich glaube de Spaniöggel gfallts nöd so, dass d'Brite no do sind, drum dünts Grenze nöd uf, sondern jede Autofahrer muess mindestens no de Inhalt vo sinem Kofferrum zeige. De südlichsti Punkt Grossbritanniens isch drum z'empfehle, weill die sonen Felse händ, wo die grössti Klippe über 400 Meter senkrecht abfallt. Beindruckend wämer do obe stoht und de Möve bim Segle im Ufwind zuelueget. Wenn dänn, warum au immer, alli Möve glichziitig startet und us dr Felswand useflüget, das isch scho überwältigend. Usserdem gseht mer uf Marokko übere. Es komischs Gfühl, wemmer gseht wie nöch Afrika, Europa chunt.

Ach ja, fast hät ich's vergessen. Erfahrung mit den Sandblechen haben wir in Spanien am Strand auch bereits gesammelt. Ich konnte es natürlich nicht lassen, und musste die Sandtauglichkeit unseres Busses testen. Resultat gleich UNTAUGLICH im höchsten Grad. Wir gruben uns bis zur Hinterachse ein. Was solls, jetzt wissen wir wenigstens, dass wir mit der Schaufel durch die Sahara müssen.

Am Samstag, 25.10.97 nehmen wir dann die Fähre von Aljeuras nach Ceuta. Ceuta ist zwar auf dem Afrikanischen Kontinent, aber gehört noch zu Spanien. Am Sonntag reisen wir dann nach Marokko ein.

Mittlerweile sind wir also mehr als eine Woche in Marokko unterwegs. Wir haben schone einiges gesehen. ich möchte sagen, dass Marokko ein sehr attraktive Reiseland ist. Insbesondere in den Bergen hat es einiges zu bieten. Das Land ist multireligös, d.h. die Muslims gehen einem nicht auf den Keks. Wir denken auch, dass es den Marokkanern im grossen und ganzen gut geht, im Vergleich mit andern arabischen Ländern.

In Marokko sind wir von Tétouan nach Uefchauen (hier wurde Sandra das Portemonnaie entwendet), dann nach Fès, Meknès, Moulay - Idris, Khemisset, Rabat bis nach Casablanca gefahren. Die Städte, resp. deren Medinas sind wie Irrgärten. Stadtmauern und tausend und eine Gassen. Fes hat die grösste Medina. Dort findet man so leicht nicht wieder raus. In Rabatt haben uns, angeblich kleine Kinder, mit einem Stein das kleine seitliche Dreiecksfenster beim Beifahrer eingeschossen. Im Moment fahren wir mit einem Plastiksack und Klebeband rum. Mal sehen wer's reparieren kann. Für wieviel Geld.

So, ich könnte noch lange schreiben, aber irgendwann ist Schluss.

Liebe Grüsse aus Afrika,
Roger


Reisebericht vom 4.1.1998, von Judith und Chrigi erhalten
Etappe 4.12.1997 - 4.1.1998

Abidjan, 3.1.98

Da ich bis Dakar und teilweise bis Bobo schon verschiedenen Leuten geschrieben habe was es so zum schreiben gab, beginne ich mit dem Reisebericht (NEUE IDEE!) der kopiert und allen Briefen beigelegt werden kann, ab Abfahrt in Dakar.

In Kürze bis Dakar:

Am 1.10.97 starteten wir unseren Transafrikatrip in Zürich. Ueber Basel in den Jura nach Frankreich (Auch) (in der Nähe von Toulouse) führte uns der Weg zu Lotti und Marc (zwei junge Schweizer die dort eine Minifarm erstanden haben und jetzt dort leben). Dann ging es nach Spanien wo wir unter anderem Marion, Giovanni, Sepp und Christina in ihren Freien besuchten. Bevor wir am 25.10.97 nach "Afrika", genauer Marokko übersetzten, besuchten wir noch Gibraltar (abstecher nach Grossbritannien?!) Bis am 15.11.97 kurvten wir in Marokko herum. Wir besuchten die Städte Cheftauen, Fes, Marrakesch, Rabatt, Casablanca, überquerten den tiefen und den hohen Atlas (Schnee!) und durchquerten ex West- Sahara, das von Marokko mehr oder weniger annektiert wurde. Marokko ist ein SUPER Reiseland, wenn man mit der arabischen Mentalität zu Schlage kommt. Vom 12.11.97 bis am 24.11.97 erledigten wir den Behördenkram in Marokko für die Ausreise, Militärkonvoi bis an die Mauretanische Grenze in der Wüste, nochmals Militärkonvoi mit den "Mauris" bis Nouadhibou, Behördenkram (Maraton!) in NHD für die Einreise in Mauretanien und 5-600 km durch die Wüste Sahara. (Wüste = SUPER; Mauretanier = Arrogant....). Am 24.11.97 Einreise in Senegal nach St. Louis. Am 25.11.97 Busse wegen 2 Meter zu spätem Anhalten, obwohl das Stoppschild falsch steht?! 28.11. - 4.12.97 30 km vor Dakar erholen wir uns im Camping am Meer und fahren tageweise nach Dakar.

AB DAKAR:

Von Dakar bis zur Grenze von Gambia gab es eigentlich nicht viel besonderes. Ausser vielleicht, wie immer die Spezialität der Autostopper. Die haben die Frechheit (oder den Charme?) nachdem man sie x-km mitgenommen hat, noch nach einem "Cadeau" zu fragen, weil wir doch weiss sind und demzufolge reich sein müssen. Die Strecke von Dakar bis an die Grenze von Gambia machten wir in einem Tag und passierten so am 4.12.97 die Grenze nach Gambia. Bei der Ausreise aus Senegal machte die Polizei einige Troubles da (je nach Interpretation) unsere senegalesichen Visa schon lange abgelaufen seien. Er machte uns desshalb keine Ausreisestempel in die Pässe, was eigentlich einer illegalen Ausreise gleichkommt. Bei den Einreiseformalitäten in Gambia gab es keine grossen Probleme. Ausser das es bis heute (3.1.98) der einzige Zoll war, der jede Schachtel sehen wollte.

GAMBIA:

Grundsätzlich ist es ein schönes Land, das auch schön teuer ist. Auf den Märkten gibt es nicht viel zu kaufen, und das was man Gemüse bekommt ist alt, vermantscht oder faul. Wir beschliessen die paar km durch Gambia in wenigen Tagen hinter uns zu bringen. In Banjul, der Hauptstadt, sind wir genau am Wochenende. Das senegalesische Konsulat hat natürlich geschlossen. So beschliessen wir, die nochmalige Einreise in den südlichen Teil von Senegal, die Casamass, illegal oder mit Bestechung anzugehen. Weiter im Süden besuchen wir einen Wildpark und sehen - man höre und staune - (vor allem diejenigen welche die Zeichnung auf der Bustüre verbrochen haben) unsere ersten Löwen, Hyänen etc.

Am 6.12.97 reisen wir wieder aus Gambia im Süden aus und wieder nach Senegal, eben die Cassamass ein.

Casamass (Südsenegal):

Wenn man von der Region etwas vernimmt, ist es in der Regel etwas über Rebellenanschläge und Tote desswegen oder wegen eines Gegenschlages des Militärs. Effektiv hat es hier mehr bewaffnete Militärs herum. Die Rebellen aber sitzen lediglich in zwei Dörfern am Meer zur Grenze nach Bissau. Wir erleben die Region als äusserst freundlich und sehr schön.

Ein Problem das die da unten haben ist, dass alle Reparaturen Jahre dauern. Wegen einer eingestürzten Brücke die sie seit 2 Jahren reparieren, machen wir kilometerweite Umwege. Ebenso wegen einer defekten Fähre, die seit über einem Jahr in Dakar zur Reparatur ist.

So fahren wir nördlich von Zigounchor nach Tambacounda Richtung Moli, wieder etwas in den Norden. Am 9.12.97 verlassen wir Senegal endgültig und reisen nach Mali ein.

Mali:

(Mali = Wellblechpisten und Eseltrampelpfade) In Mali geht es zuerst nach Kayes, weil wir von dort eine Adresse einer evangelischen Mission mit Deutschen und Schweizeren haben. Auf dem Weg dahin leuchtet plötzlich die Temperatur- Warnlampe des Motors. Oh la la, jetzt hat es uns erwischt, das Wellblech auf den Pisten ist das Ende unseres Autos. Mit eingeschalteter und vollaufgedrehter Heizung, um die Motorwärme abzuführen, geht es die letzten 25 km nach Kayes. Dort in der Mission geht es an die Fehlersuche. Der Verdacht fällt nach Tests und Palaver auf die Wasserpumpe oder den Wasserthermostaten. Ich demontiere alles und wir prüfen die Teile. -> Alles ist ganz i.O. Also muss der Fehler elektrisch sein. Nach zwei Tagen finden wir den abgefallenen Draht hinter der Armatur. Ein schönes Erfolgserlebnis, als die Karre danach (nach Lötarbeit) wieder ohne Störung mit gewohnten Geräuschen läuft.

Nach Keyes ging es nach Nioro in den Norden des Landes, resp. nördlicher als Kayes. Das war vielleicht eine Tour! Pro 100km Stecke braucht man 2 Tage. Fahren vom Morgen bis zum Sonnenuntergang. Durch Sandlöcher und über Felsbrocken gelangen wir ziemlich an die Grenzen der Fahrbarkeit. Aber unser "Büssli" übersteht die Strapazen. In Nioro, einem Gottverlassenen Kaff lernen wir eine Familie Zürcher aus Niederglatt kennen, die dort wohnen und ebenfalls Missionarsarbeit verrichten. In Noro Kontrollierten wir wieso der Retourgang nicht mehr so gut reinging. Steine und Felsbrocken hatten unter dem Boden des Busses einen Querträger so verbogen und verbeult, dass das Reserverad gegen die Schaltstange drückte. Wir versuchten die Reparatur zuerst selber durchzuführen. Aber für diese Arbeit war wohl grösseres Werkzeug notwendig als wir dabei hatten. Zum Glück hatte eine Kanadische Hilfsorganisation mal eine Garage komplett eingerichtet und dann einem Einheimischen überlassen. Für 1000 CFA = 2.50 SFr reparierten, respektive, verbeulten sie das defekte Teil in die Gegenrichtung, damit alles wieder mehr oder weniger passe.

Von Nioro machten wir uns auf den Weg nach Ségou und nach Bourkino Faso. Auf den Weg ist gut geschrieben; auf den Eselspfad trifft eher zu, einige 100km im Slalom durch den Busch. Plötzlich, jeweils ziemlich unerwartet taucht irgendow wieder ein Dorf auf mit ein paar Lehmbungalos und was neu ist für uns, mit Fellzelten die aussehen wie Iglus.

Bei Segou am Fluss Niger campieren wir an einem wunderschönen Plätzchen am Fluss. am 21.12.97 fahren wir nach Bourkino Faso hinein und verlassen Mali.

BOURKINO FASO:

Am 21.12.97 reisen wir in das Land ein, von dem wir einiges erwarten. Franzosen die wir in Mauretanien in der Wüste kennengelernt haben, schwärmen die ganze Zeit von Bourkino Faso und dessen Wirtschaftshauptstadt Bobo-Dioulasso. Mit diesen Franzosen reisten wir von Mauretanien bis Dakar, da trennten sich unsere Wege. Sie wollten aber nach Bobo und dort ein Haus für ein paar Monate mieten.

Die Nach vom 21. auf den 22. Dez verbrachten wir auf einem abgeernteten Maisfeld 70km vor Bobo. Die Gegend hier ist für afrikanische Verhältnisse ziemlich dicht besiedelt desshalb gibt es keinen "Busch" mehr. So gegen 2:00 Uhr am Morgen kommt dann so eine Megakuhherde und scheisst die Gegend voll. Aber nicht genug damit, sie haben auch noch das Gefühl, dass sie sich ihren Hals an unseren Scheibenwischern kratzen müssen. Neben dem Fenster wo mein Kopf zur Ruhe liegt, rülpsen die Fleischklobse auf Beinen ihr schwerverdaubares Fressen rauf, um dann das Geschleim nochmals kräftig und in aller Lautstärke durchzukauen. Wie man sich denken kann, hatten wir nicht eine allzugute Nacht im Mais....

Am 22. Dez 97 fuhren wir dann in das vielgerühmte Bobo. Es ist wirklich eine ruhige Stadt, kein Militär, keine Polizei und sehr freundliche Leute. Wir treffen da die Franzosen wieder und beschliessen die Weihnachten 97 mit ihnen in Bobo zu verbringen.

Am 27.12.97 fahren wir weiter bis zu imaginären Wasserfällen. Imaginär weil das ganze Wasser in Rohre umgeleitet wird um die riesigen Zuckerrohrfelder im Tal zu bewässern. Bei diesen "Wasserfällen" treffen wir wiedermal Stadtzürcher die in Missionarsarbeit zur Bibelübersetzung in die lokale Sprache (70'000 Leute sprechen diese) hier leben. Also schon wieder Leute, die das "andern Leuten seien Glauben aufschwatzen" als ihre Berufung sehen?! Oberhalb der Fälle, wo wir eine super Aussicht quer übers Tal haben, übernachten wir auf einem Felsplatteau. Am Tag darauf geht es weiter zum "Mer de Hypopotames" und zu grösseren Wasserfällen wo der erste Tarzanfilm gedreht wurde.

Cote d'Ivoire:

Am 31.12.1997 kommen wir in Yamousoukro, der Hauptstadt von Cote d'Ivoire an. Wir verbringen dien Sylvester ziemlich ruhig in der Stadt. Eine offizielle Feier kennen die hier scheinbar nicht. Yamousoukro ist vor ca. 8 Jahren die Hauptstadt geworden. Der damalige "Präsi" hatte etwas den Grössenwahn und klotzte in die kleine Stadt eine riesige Infrastruktur hinein. Er liess 4-Spurige Strassen (in eine Richtung! d.h. 8 Spuren total) inklusive Strassenbeleuchtung bauen, er liess den St. Petersdom von Rom originalgetreu nachbauen. Das Problem war, die Wirtschaft und die Leute kamen nicht. Jetzt führen also die Megastrassen in den Dschungel und die Strassenbeleuchtungen brennen nachts für die Mücken.

Am 1.1.98 besuchten wir ein Reservat in der Nähe der Hauptstadt. Es gab Büffel, Vögel, Gazellen, Antilopen und Nashörner zu sehen. Wir standen 3 Meter neben einem Breitmaulnashorn mit seinem Jungen. Das war vielleicht ein Gefühl den Tönner so nahe neben sich zu haben.

Seit dem 2. Januar sind wir in Abidjan auf einem Camping. In der Stadt müssen wir nun unsere Weiterreise planen und organisieren. Wir benötigen eine Handvoll Visas und Informationen über Pisten und Strassen, sowie die politische Lage in Zentralaftrika.

Ich wünsche allen die dies erhalten, oder die ich kenne, nachträglich noch, dass sie schöne Festtage erlebt haben. Ausserdem einen super Rutsch ins neue Jahr 1998 und in diesem viel Glück und Gesundheit!

Fortsetzung folgt eventuell?!....


Reisebericht 5.1.1998 bis 14.3.1998 von Richi per E-Mail erhalten

Abidjan in der Elfenbeinküste:

Also, wie im vorherigen Reisebericht erwähnt, rennen wir in der Stadt allem Möglichen nach. Tag für Tag lässt sich ein weiteres Visum abhohlen und eine neue Information über die nächsten Länder in Erfahrung bringen.

Am Sonntag besuchen wir Grand Bassam, obwohl uns alla abraten ausgerechnet an einem Sonntag dahin zu gehen. Wir haben einen schönen Aufenthalt direkt an der Beach, ohne jegliche Probleme, die uns prophezeit wurden.

Am Samstag, dem 10.1.98 geht es dann weiter. Wir fahren Richtung Ghana. Auf dem Weg nach Akkra (Hauptstadt), übernachten wir noch zweimal im Busch und einmal auf einem entstehenden Camping eines Holländers. Wie wir später erfahren, wird der Holländer wohl sein Vermögen, dass er in den Aufbau des Campings steckt, verlieren. Hier ist es Sitte, dass die Weissen von den Afrikanern übers Ohr gehauen werden. (Ich meine, es ist jeder selber Schuld, wenn er die Dinge in Afrika blauäugig angeht.) In Akkra erstehen wir ein Visum für Benin und nach zwei Nächten bereits brechen wir auf nach Lome in Togo. In Lome bleiben wir vom 17.1 bis am 8.2.98 auf einem Camping eines jungen Schweizers hängen. Einerseits erwarten wir hier die Ankunft von Ziggi und Monika (ein Paar, dass wir in Nouhagchot, Mauretanien, kennenlernten und das den selben Trip wie wir im Auge hat) die jedoch bis zu unserer Weiterfahrt nie auftauchen, andererseits lernen wir hier Peter und Michelle (Südafrikaner), Pieter und Isabelle (Belgier) und Yvonne und Heidi (CH) kennen, die ebenfalls in den Süden wollen.

Nach drei turbulenten Wochen, mit afrikanischer Musik und Tanz, mit Freud und Leid (Trennung von Sandra) und mit ein Haufen Spass mit den anderen Reisenden, was die Spannung zwischen Sandra und mir abbaute, und einem Beinaheabbruch der Reise, entscheiden wir uns, den Weg gemeinsam fortzusetzen. So fahren wir Richtung Norden in Togo, zum Mount Agou, dem höchsten Berg des Landes. Dort angekommen, (1000m.ü.M.) dringen wir in Militäzone ein. Der Gipfel steht unter militärischer Bewachung, weil die Rundfunkantenen des Landes da plaziert sind. Wir wollen auf dem Gipfel übernachten, und versuchen das Militär, ohne Erfolg, zu überreden uns dies zu genehmigen. Als wir dann abfahren wollen, haben wir dummerweise (od. ev. glücklicherweise) eine Panne, und es bleibt uns nichts anderes übrig, als auf dem Gipfel zu bleiben. Das Militär glaubt uns vorerst nicht, dass die Benzinpumpe wiedereinmal den Geist aufgegeben hat. Als wir aber dann morgens, einen Kanister über den Vergaser stellen, und den per Schlauch direkt mit dem Vergaser verbinden, lassen sie die Zweifel fallen.

In Kpalime, am Fusse des Berges, versuchen wir vergebens eine neue Pumpe aufzutreiben. So fahren wir zurück nach Lome um eine Orginal VW Pumpe, allerdings in Nigeria hergestellt und ein Bruchteil des Preises, zu erstehen und einzubauen.

Dann geht's endgültig ab nach Benin. Von Lome nach Kpalime und dann weiter nach Parakou in Benin. Hier sollten wir eigentlich Peter und Michel treffen, um über Nikki nach Nigeria zu zweit weiterzufahren. Sie tauchen aber da nie auf, weil ihr Anlasser im Eimer war, wie sich später herausstellt.

Da Sandra seit dem 14.2.98 Fieber hat, gehen wir in Parakou in eine Klinik. Dort stellt sich heraus, dass es keine Malaria ist, und der Arzt diagnostiziert Grippe.

Weil die Verabredung mit den Südafrkanern geplatzt ist, entscheiden wir uns, da wir die Visa schon haban, in den Niger nach Niamey zu fahren und dort Barbara Schär, die wir aus Burkino Faso kennen, zu besuchen. In den zwei Tagen Reise dort hin, verschlechtert sich Sandras Zustand zunehmend. Das Fieber steigt bis kurz unter 40 Grad, und sie liegt teilweise da wie eine Tote. In Niamey (Niger) angekommen, bringe ich sie sofort in die Klinik Gamkaley, die uns von der Cooperation Suisse empfohlen wird. Zuerst wird auf Malaria behandelt (mit Halfan !), dann stellt sich aber heraus, dass es die Masern sind. Nachdem Sandra wieder einigermassen gesundet hat, und wir uns nach 8 Tagen von Barbara verabschieden, fürt uns der Weg von Norden nach Süden durch das ach so gefährlich Nigeria. Bei Konin-Birnni geht es über die Grenze. Weiter nach Sokoto, Jos, Cattel Ranch Obudu auf 1500 m.ü.M zur Grenze von Kamerun. Wir empfanden die Bevölkerung und die Landschaft als äusserst besuchenswert, und können jedem Reisenden nur Raten, sich durch die Gerüchte nicht von der Durchreisung Nigerias abbringen zu lassen. Unterwegs hatten wir noch ein spannendes Erlebnis mit einer Fähre die drei Fahrzeuge fasste, und beinahe umkippte beim auslaufen. Ich habe unseren Buss schon unter Wasser gesehen. Die Einheimischen allerdings lachten alle, und meinten, es wird schon nichts geschehen.


Kamerun:

Von den meist sehr gut asphaltierten Strassen Nigerias, auf die schlimmsten aller schlimmen Pisten Kameruns. Von der Grenze, Ekok bis nach Mamfe müssen wir die ersten 40km allerschlimmste Piste passieren. Ein echtes Abenteuer, für uns, sowie für den Bus, der die Kupplung sowie die rechte, hintere Feder auf der Strecke lässt. Trotz lediertem Fahrzeug schaffen wir es, den Treffpunkt in Limbe zu erreichen. Peter und Michell sind da, und wir freuen uns riesig auf ihre Gesellschaft. Die Belgier sind bereits nach Douala um ihre gebrochene Feder rep. zu lassen und die Schweizerinnen kommen in Kamerun nie an (bis jetzt).

Am 3.3.98 in Limbe angekommen, starte ich am 4.3 mit dem Ausbau des Motors. Wieder so ein Abenteuer! Nachdem ich die Kupplung nach etwa 4 Stunden Arbeit bei 90 Prozent Luftfeuchtigkeit und über 30 Grad in den Händen halte, fahren Peter und ich nach Douala rein, um eine neue Kupplung zu bestellen. Da diese aus Deutschland geschickt werden muss, warten wir eine Woche auf die Teile, die am Freitag dem 13.3.98 dann tatsächlich alle ankommen. Am Samstag dem 14.3.98 läuft unser Bus wieder wie am Schnürchen.

Yuppie ! ! ! ! ! ! ! ! ! ! ! ! ! ! ! ! ! ! ! ! ! ! ! !

In dieser Woche Wartezeit haben wir uns entschieden unsere Weiterreise durch Gabon, Congo-Brazaville, Congo-Kinshasa (ex Zair), nach Zambia fortzusetzen, weil die Centralafrikanische Republik die Grenzen für Touris geschlossen hat. So organisieren wir die nötigen Visa.

Ausserdem schleppen wir unseren Bus von Limbe nach Douala (70km) mit Peters und Michelles Land Rover ab. Wir sind jetzt bei Merkens, einem deutsche Ersatzteilhändler, wo wir gratis campieren können.

Gestern dem 13.3.98 hat sich allerdings ein neues Problem eingestellt. Der Anlasser des Land Rovers der Südafrikaner ist wieder hin. Einen solchen zu kriegen scheint hier unmöglich, und einen von England zu senden, wer weiss wie lange das gehen kann.

Mal sehen wie es weitergeht, im nächsten Bericht.

Liebe Grüsse und etwas Sonne an alle Empfangenden !

Roger und Sandra

Aus dem Innern Afrikas


Brief von Sandra an ihre Mutter vom 8.4.1998

[...] Wir sassen 1 Woche im congolesischen Tropenwald fest. Erst wollten uns die "Gabonesen" gar nicht raus lassen, weil in Congo immer noch Krieg ist. Da fuhren wir zu einem kleineren Grenzübergang nahe der Küste, und da ging's dann mit einer Empfehlung vom Militär-Chef. Aus Sicherheitsgründen wollte ein bewaffneter Soldat von der Grenze bis nach Dolisie (zwischen Point-Noire und Brazzaville) mitfahren, doch in Tat und Wahrheit suchte er bloss eine Mitfahrgelegenheit.

Von den ursprünglich 9 Konvoi- Mitgliedern setzten sich die 4 mit "Top-Ausrüstung" (Geländewagen) ab. Na ja, meine Generation; egoistisch und null Team-Geist! Zwar waren alle älter als ich, generell bin ich immer die Jüngste hier (besser als die Älteste). Wir bilden nun also die "langsamere Hälfte" mit 2 Motorradfahrern, 1 Feuerwehrlastwagen und unserem VW-Bus.

Gleich nach der Grenze bekamen die Motorradfahrer Schwierigkeiten, denn der lehmige Schlamm der Piste verklebte ihnen alles und blockierte die Räder. Mit Sandblechen und Stossen ging es dann Meter für Meter weiter, bis einem Rad die Kupplung durchbrannte. Das Gelände ist abgeholzt und die Piste führt durch ein riesiges Sumpfgebiet mit 2-3m hohem Gras. Schatten ist rar und im Bus stieg das Thermometer auf über 40 Grad. Erst stand uns der militärische Begleiter mit mehr Rat als Tat zur Seite, dann setzte er ganz auf Bewachung und schritt mit seinem Gewehr zwischen den Fahrzeugen hin und her, Als gegen Abend ein Pick-up von der Gegenrichtung kam, packt er kurzerhand seine Taschen und seine 2 lebenden Poulets und fuhr die wenigen km, die wir uns vorangekämpft hatten, zur Grenz- Station zurück. Er versprach uns, zurückzukommen, überholte uns am übernächsten Tag jedoch lächelnd, denn er hatte eine schnellere Mitfahrgelegenheit gefunden. Wir schleppten das defekte Motorrad mit dem Bus zum nächsten Hof ab (4km, für uns war die Piste gut befahrbar). Am nächsten Tag wurde die Kupplung ausgebaut und ersetzt und am Morgen darauf fuhren wir weiter. Die Moto- Fahrer hatten 1/2 vom Gepäck in den Lastwagen umgepackt und die Piste hatte in der Zwischenzeit etwas getrocknet, so dass wir mit 16km/h einigermassen voran kamen. Nach 20km stiessen wir auf einige grosse Wasserlöcher, die wir bis auf eines erfolgreich (ohne LKW-Hilfe) passierten. Doch am Nachmittag wurden die Löcher immer tiefer, bis wir kurz nach Tsembo vor einem unüberwindbaren Loch standen. Mit der Schaufel machten wir einen Graben, um das Wasser ablaufen zu lassen. Der Schlamm- Spiegel war eben 5 cm gesunken, als uns ein Portugiese in einem 4x4 entgegenkam. Er schickte erst seine schwarzen Mitfahrer weg und sagte und dann, dass er in der Nähe von Dolisie wohnt und nun in Richtung Point-Noire fahre weil in dieser Nacht Unruhen in Dolisie zu erwarten seien. Dabei hielt er seinen Zeigfinger über die Lippen: pssst.....

Wo auch immer er die Infos her hatte, wir entschlossen uns, ihm nach Point- Noire zu folgen, zumal die Abzweigung gerade bei Tsembo war. Allerdings blieben wir schon im nächsten Schlammloch (ca 100m lang) stecken, während der Portugiese durchbretterte. Er versprach, den Weg zu kennzeichnen (was er tatsächlich machte) und weg war er. Bis wir aus dem Loch waren war Abend. Wir schafften gerade noch 2km bis ins nächste Dorf, wo wir Bananen kaufen konnten und übernachteten.

Am nächsten Tag war der Feuerwehrwagen- Fahrer eine Sekunde unachtsam und rutschte in einem halbausgetrockneten Schlammloch in tiefe Spurrillen, so dass die Vorderachse aufstand. Die Räder drehten durch und es kostete uns 22h Arbeit, das 10 Tonnen- Gefährt wieder auf die Piste zu buxieren! Resultat: Aufgeplatzte Blasen an den Händen vom Schaufeln, Kratzer vom Gras an Armen und Beinen, Kreislaufschwäche durch Ueberhitzung und Flüssigkeitsmangel, Sonnenbrand und Insektentstiche. Ich kam mit Blasen und einem zum Auswinden nassgeschwitzten T-Shirt davon.

Die Piste richtung Küste wurde zunehmend schlechter. Einige Löcher konnten wir dank Schneeketten überwinden (diese gingen durch die Beanspruchung leider bald zu Bruch), aus einigen zog uns das Feuerwehrauto. In vielen Dörfern hielten wir gar nicht an, weil der Grossteil der Bevölkerung betrunken war. Als wir die Küste erreichten wurden wir erstmal von der Polizei gründlich durchsucht. Durch Diplomatie allerdings zum Null-Tarif. Hier erfuhren wir, dass unsere "Vorhut" auch nach Point-Noire gefahren ist, da die Strasse vor Dolisie von einem Holztrack versperrt war. Noch 60 km bis Point-Noire!

Hier ist die Piste plötzlich sandig. Auch dafür ist unser VW nicht geschaffen. Trotz Wüsten- Erfahrung müssen wir 2x Schaufel und Blech zur Hand nehmen.

[...] In jener Nacht wurden in den Nähe von Dolisie ca. 30 Menschen umgebracht, die Zugsverbindung nach Brazzaville unterbrochen und ein elektrischer Mast umgelegt. Seither hat Point-Noire keinen Strom mehr. Faxen und Telephonieren ist fast unmöglich und Wasser sowie Treibstoff ist kurz.

[...] Die Afrikaner sind aber Meister im improvisieren. So sind wir trotz allem schon zu einer Dusche gekommen und dürfen beim Club Nautique, direkt am Strand campen. Uns geht es allen gut und nachdem der jetzige Präsident den Besuch in Point-Noire beendet hat letzte Woche, ist die Stadt wieder sicher. Dank der guten Infrastruktur haben wir schon unsere Vorräte wieder auffüllen können. Auch wenn sich's auf den letzten Seiten unangenehm anhört, ist es letztlich das, was wir alle in Afrika suchen: Abenteuer und dazwischen Ruhe und Natur.

Schön ist, dass man sich mit allen so gut unterhalten kann, denn auch im kleinsten Dorf sprechen sie Französisch.

Von hier aus könnten wir der Küste entlang direkt nach Süd Afrika fahren. Das wäre aber zu einfach; also ist die Route via Süd-Zaire beschlossen worden. Weil wir nicht über Brazzaville fahren können, werden wir via Gabiuda (Angola) nach Kinshasa fahren und dann südlich nach Zambia. Zaire, besonders der Süden, wird übrigens als politisch stabil eingeschätzt. Sogar die Strassen sollen wieder unterhalten werden jetzt.

[...]


Reisebericht vom 9.12.1998, von Richi via e-mail erhalten

In Point Noire bereitete unser kleine Konvoi die Weiterreise vor. Wir kauften eine kleine 2 Tonnen Winde, einen zusätzlichen Wagenheber und andere Utensilien die man im Schlamm so gebrauchen kann.

Dann gehts los, nach Cabinda, eine Enklave Angolas die mehr oder weniger auf der Grenze zwischen Congo under der dem. Rep. Congo (ex. Zair) liegt. Einmal mehr werden wir von den Grenzbeamten auf angolesischer Seite auseinandergepflückt. Was hir die Sache erschwert ist, dass alle ausser uns portugisisch sprechen. Aber, und dass muss man betonen, keiner der Angolaner hat einmal nach einem Geschenk oder nach Geld gefragt.

In Cabinda sind die Strassenverhältnise schlimm. Es gibt Strassen die mal asphaltiert waren. Mittlerweilen hats mehr Schlaglöcher als Asphalt und wir kommen viel langsammer vorwaerts als geplant. Ueber die Enklave gibts ansonsten nicht viel zu berichten. Das Benzin ist spottbillig (ca.22Rp pro Litter) und die Bevölkerung ist sehr freundlich. Wir Uebernachten jeweils in einem Dorf das am Weg liegt. Mann muss, wenn man einen solchen Platz sucht, sollte man vorzugsweise jeweils den Chef des Dorfes suchen. In der Regel weiss jedes Kind wo sich diese wichtige Person aufhält. Dieser Herr ist sehr freundlich zu begrüssen und um die Erlaubnis der Uebernachtung zu bitten. Die Leute staunen jeweils nicht schlecht, wenn wir dann anfangen unser Equipment auszupacken und das Lager herzurichten.

Als wir nach ein paar Tagen die Grenze nach Zaire erreichen, geht die Spannung los. Was wir schon alles über dieses Land gehört, gelesen und vernommen haben. Es scheint gar nicht möglich zu sein das Land zu bereisen, ohne jeden Polizisten und Militär zu bestechen im vornherein. Wir fragen uns, wieviel die Zöllner uns wohl abknöpfen wollen. Wir fragen uns, was für Spezialpapiere, wie Photopermit, Roadtax, Minenpermit, etc., sie uns wohl verkaufen wollen.

Es braucht Stunden um in Cabinda auszureisen, und noch länger in Zaire einzureisen. Da wir verschiedentlich vorgewarnt wurden, dass die Strassenkontrollen jeweils ein Photopermit sehen wollen, haben wir in Gabun bereits, in einer Kath. Mission vorgesorgt. Wir haben uns die uralte Schreibmaschine der Nonnen ausgeborgt und uns ein eigenes Permit getippt. Hir an der Grenze war nun das Problem, wie wir einen offiziellen Stempel auf das Papier kriegen, ohne dass die Beamten merken, was sie stempeln.

Das ganze war einfacher als gedacht. Ich fragte einen Beamten ob er mir helfen kann, denn ich hätte noch ein versicherungstechnisches Problem. Helfen tun die Leute immer gerne. Ich zeigte ihm das Permit indem ich mit einer Hand das Wort Permit die ganze Zeit abdeckte und erklaerte ihm, das ich das Papier fuer meine Camaraversicherung in Europa brauche. Er stempelte sämtliche Papiere ohne nachzufragen durch.

In den naechsten paar Tagen erleben wir Sand, Matsch und vor allem Regen wie nie zuvor. Man muss sich einen wunderschoenen Sonnentag ohne eine Wölkchen am Himmel vorstellen. Plötzlich, innert 2 Minuten, ist der Himmel pechschwarz und nach weiteren 2 Minuten giesst einer Badewannen über einem aus, so das die Strasse resp. die Sandpiste auf der man steht zum reissenden Fluss wird. Nach einer halben Stunde ist die Schauer vorbei, ein wolkenloser blauer Himmel wieder da, ganz so als wenn nichts geschehen wäre mittlerweilen. Ca. eine Stunde budelten wir zuerst und zogen dann unserern VW Bus per Lastwagen aus dem Schlamm heraus.


Sandra und Roger haben sich getrennt. Sandra reist jetzt mit dem VW-Bus voraussichtlich allein weiter nach Stellenbosch / Kapstadt. Roger arbeitet vermutlich bis Ende November im Ermo Safari Camp. Richard Eigenmann, 28.9.1998.

Richard Eigenmann
19. Dezember 1998